von Andreas am 07.07.2008
Besuchszeit auf Webseiten: Unzuverlässig vor allem für Blogs
Viele Webseiteninhaber und fachkundige Firmeneigner legen sehr viel Wert auf die statistische Angabe der Besuchszeiten einzelner Webpages. Sie lieben diese Zahlen und verlangen von ihren Admins und Webanalysten eine möglichst genaue Angabe, wie lange die Besucher im Durchschnitt auf der jeweiligen Webseiten verharren.
Vor einige Jahren gab es für diesen Zweck nur äußerst rudimentäre Softwarelösungen, welche die Admins mit sehr ungenauen und keineswegs allgemeingültigen Zahlen versorgten. Im Laufe der Zeit jedoch verbesserte sich natürlich auch diese Softwarenische und die Technologie bezüglich der statistischen Analyse von Webseiten wuchs heran und liefert seit geraumer Zeit “benutzerfreundlichere” Ergebnisse.
Was genau ist die durchschnittliche Besuchszeit?
Oberflächlich betrachtet ist die Besuchszeit auf Webseiten eine statistische Angabe, die anscheinend genauso einfach zu verstehen ist wie die Besucherzahlen einer Homepage. Vielleicht ist es gerade dies, warum Webseiteninhaber die Besuchszeitangaben so schätzen. Aber im Zuge dieser scheinbaren Trivialität übersehen viele “Admins” die versteckten Tücken und möglichen Fehlerquellen einer solchen statistischen “Datenerfassung”.
Gewöhnlicherweise loggen Webanalysetools, wie z.B. Google Analytics, sämtliche Benutzereingaben innerhalb der zu überprüfenden Webseite, wenn einzelne Besucher sich durch die Navigationselemente klicken. Die erfasste Zeitangabe beinhaltet demnach den gesamten Zeitraum in welchem sich der Benutzer auf der Homepage aufhält bis dieser die Webseite oder den Browser schließt. Sämtliche gemachten Benutzereingaben bzw. Aktionen werden hierbei protokolliert und mit einer Art Zeitstempel versehen. Diese Zeitstempel, welche für jeden einzelnen Besuch spezifisch erfasst werden, verrechnen anschließend die Analysetools zu einem Durchschnittswert, welcher der zuvor beschriebenen durchschnittlichen Besuchszeit einer Webseite entspricht. So weit, so gut.
Die Tücken von Google Analytics und Co.
Man sollte daher keineswegs überrascht sein, wenn z.B. ein Besucher sich durch 8 Unterseiten eines Webprojekts klickt und Google Analytics dessen Besuchszeit lediglich mit 2 Minuten angibt. Dies ist jedoch alles, was wir heutzutage von solchen Analysetools erwarten können.
Wir werden nicht in Erfahrung bringen können, ob der einzelne Webseitenbesucher zwischendurch seinen Browser verlassen hat, ohne diesen jedoch zu schließen. Auch werden wir es nicht herausfinden können, ob ein anderer “Surfer” die Webseite verlassen hat, indem er einfach eine andere Ziel-URL in das Adressfeld eingegeben hat. Es kann also durchaus sein, dass ein Webseitenbesucher viel mehr Zeit auf einer Homepage verbringt, als diese durch einzelne Analysetools ala Google Analytics berechnet wird.
Aber wie verhält es sich, wenn die zu analysierende Seite ein Blog ist? Dann hat man noch mehr Pech! Meistens daher bedingt, dass sämtliche Aktionen auf ein und derselben Seite ablaufen und nur wenige Besucher wirklich Tief in die Blogstruktur “reinsurfen” und verschiedene Seiten aufrufen. Es mag dem Besucher vielleicht eine gewisse Zeit kosten einen Kommentar zu verfassen, oder den letzten Artikel zu lesen, aber diese Funktionen sind nun einmal blogspezifisch alle auf der selben Seite untergebracht. Aus diesem Grund ist die Besuchszeitangabe der Analysetools bezüglich einzelner Blogs äußerst ungenau und kann nur sehr wage für eine Webseitenanalyse verwendet werden.
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14 Kommentare
Ja neue Browserfunktionen wie TabbedBrowsing machen solche Statistiken unpräzise. Ich selber nutze derzeit Google Analytics und das WordPress-Plugin StatPress und bekomme bei den Besucheranzahlen komischerweise verschiedene Ergebnisse geliefert, woran liegt das?
Mh Statpress kenne ich nicht, aber wird wahrscheinlich wie viele andere Counter ein php-Script sein, welches die Benutzeraktivitäten in Datenbanken abspeichert, oder?
Also wie oben erwähnt errechnen die meisten Statistik-tools ihre Werte aufgrund von Beutzeraktionen. Wer jedoch als Benutzer “wahrgenommen” wird variiert von Tool zu Tool und ist im Idealfall einstellbar.
So kann es ein, dass bei einem Tool auch die Bots als Besucher “ausgewiesen” werden, obwohl diese keine menschlichen Nutzer sind. Es gibt natürlich weitere Kriterien (IP, Cookies) usw. die bei der Benutzererkennung von diversen Programmen unterschiedlich bewertet und analysiert werden. Daher auch die unterschiedlichen Ergebnisse.
Du kannst 5 verschiedene Tools benutzen und bekommst 5 verschiedene Angaben. Is nun mal so..
Alle php- oder JavaScript basierten Lösungen haben Ihre Tücken. Wirklich verlassen kann man sich eigentlich nur auf die Server-Logfiles. Diese vernünftig auszuwerten ist allerdings, solange es kostenlose JS-Tools gibt, echt aufwändig.
Ich kann die Abweichungen zwischen Statpress und Analytics bestätigen, die Zählweisen pro Tool und die Interpretation von Unique Visits etc. unterschieden sich einfach zu sehr und sind leider nicht standardisiert.
Jetzt muss ich ma ne dumme Frage stellen. Wie sieht denn die “normale” Zeitenverteilung für Deine Seite aus? Ich hab relativ wenig Praxis in der Auswertung solcher Statistiktools und hab keine Ahnung, ob ich mir bei “meinen Werten” sorgen machen muss/sollte.
Was soll ich z.B. von Leuten halten, die sich auf meiner noch recht contentarmen Seite mehr als 1 Stunde rumtreiben? Wieviel Prozent 0-30 Sekunden sind unbedenklich?
Fragen über Fragen – Kannste gerne auch in nem neuen Post beantworten. Ich find das Thema sehr interessant.
Mit hanfigen Grüßen
Steffen
Hi Steffen,
erst einmal zu meiner “Seite” die gewünschten Daten:
Laut Analytivs verweilen die Leuter im Durschnitt bei mir 1:45 Min. Dies ist finde ich ein für Blogs durchschnittlicher Wert. Auf Portalseiten und Flirtportalen sollte dieser Wert jedoch schon beträchtlich höher sein, da man dort ja auch mehr Funktionen und Möglichkeiten vorfindet.
Wer also ein Portal betreibt und Besuchszeiten von nur knapp 1-2 Minuten aufweist macht irgendetwas falsch.
Und zu deiner Frage mit der 1 stündigen Verweildauer: Diese erreichen evtl. Seiten ala Studivz.net und Facebook und dies auch nur in Extremfällen; keineswegs als Durchschnitt.
Ich denke, dass entweder bei dir dein Statistktool eine falsche Berechnung durchführt, oder aber der Besucher deinen html-code analysiert und kopiert
Ne Spaß, ich denke das ist eine falsche und ziemlich “nutzlose” Zeitangabe bei einer contentlosen Webseite.
0-30 Sek. sind für neue Seiten und Weblogs keine seltenheit. Die wenigsten User lesen die Artikel auf Webseiten komplett durch und wandern von Content zu Conten bzw. von Bild zu Bild. Ist da noch nicht viel zum wandern, so bleibt die Verweildauer demnach gering. Kein Grund zur Sorge. Wächst die Seite, so sollte jedoch auch die Besuchszeit proportional mitwachsen sonst stimmt was mit der Usabillity nicht.
Lieber Autor,
mir scheint als ist dir der Unterscheid zwischen “Webseite” und “Website” nicht bekannt. Beide Worte stehen im Duden, also bitte da mal reinschauen.
Lieber Julian,
danke vielmals für den Hinweis. Leider habe ich diese beiden Begriffe fälschlicher Weise synonym verwendet. Ich hoffe du verzeihst mir diesen Fehler und erfreust dich trotzdem dieses Artikels.
Ich nehme aber auch stark an, dass viele den Artikel auch torz dieses Synonymfehlers verstanden haben.
Interessante Sache! Wusste ich bisher nicht. hab mich voll auf Google Analytics verlassen.
Sehr gut!
Hallo,
eine interessante Sichtweise, die einem Webseitenbetreiber etwas zum Nachdenken gibt. Demnach darf man sich nicht zu 100 Prozent auf die G-Analytics verlassen.
Daher nutze ich in meinem Blog solche WordPress-Plugins wie CyStats, Semmelstatz3 und WassUp und demnächst kommen noch ein Tracking-Tools und Plugin, welches ich noch erläutern werde, nachdem mein Blog dort freigeschaltet ist.
Grüsse…
Wirklich interessant. mich enttäuschen die Analytics-Zahlen manchmal ein wenig was die Besuchszeit angeht.
Allerdings gibt das denke ich schon eine Richtung vor.
Danke für den informativen Artikel. Ich war noch vor einer Stunde am Rätseln warum mir Google Analytics für die Verweildauer so krumme Zahlen ausgibt. Nun bin ich etwas schlauer
Zur einstündigen Verweildauer:
Das kann doch genauso am “tabbed-browsing” liegen. Ich habe schätzungsweise durschnittlich 10-15 Tabs auf. Mir passiert es häufiger, dass ich einen Link, den ich über ein tab aufgemacht habe, auch gleich anzusehen.
Interessant, habe ich vorher noch garnicht drüber nachgedacht. Danke für den Artikel!
Gruß Roger
Obwohl der Artikel schon so alt ist, gibt es bisher weder bei Google Analytics noch bei anderen Statistik Tools und Scripten eine vernünftige Lösung für das Problem. Schade eigentlch, da man so schon fast gezwungen wird den Wert so wie er ist hinzunehmen oder ihn eben dementsprechend zu ignorieren …