Kann Google Trends die US-Wahl voraussagen?

Wenn mehr Leute nach “Obama” als “McCain” googlen, heißt dies dann gleich, dass Obama auch beliebter bei den US-Bürgern ist und somit mit hoher Wahrscheinlichkeit die US-Präsidentschaftswahl im kommenden November gewinnen wird?

Nicht jeder Wähler in den USA benutzt Google, bzw. das Internet für die Recherche in solchen Angelegenheiten, aber dennoch bedient sich ein Großteil der US-Amerikanischen Bevölkerung der Hilfe des Suchmaschinengiganten und kann daher von keinem der beiden Präsidentschaftskandidaten ignoriert werden. Glücklicherweise lässt Google seine Benutzer die Popularität einzelner Suchbegriffe kostenlos per Google Trends analysieren und auswerten. Der folgende Screenshot zeigt eine solche kleine Analyse der beiden Suchbegriffe “Obama” und “MacCain” innerhlab der USA. Wäre der Google Trend eine repräsentative Popularitätsumfrage und wäre zum heutigen Zeitpunkt bereits die Präsidentschaftswahl in den USA, so wäre der nächste Präsident der Vereinigten Staat ein Afro-Amerikaner namens Barack Obama.

Obama Google Trends

Die Realität

Konservativere Evaluierungsmethoden kommen in den USA jedoch zu einem ähnlichen Ergebnis bei der Auswertung einiger repräsentativer Bürgerumfragen. Eine Trendanlyse von CNN-Opinion Research Corp. , welche am 4. und 5. Juni 2008 durchgeführt wurde sieht Barack Obama mit 47% vor dem Konkurrenten McCain mit ca. 43%. Eine andere Meinungsumfrage aus dem Hause Gallup Poll sieht die beiden Kandidaten im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur etwas näher beieinander. Barack Obama kommt hierbei nur auf 46% möglicher Wählerstimmen und steht einem gleichwertigen McCain mit 45% der möglichen Stimmen gegenüber.

Augenscheinlich ist die bevorstehende Präsidentschaftswahl ein wirklich enges, sowie spannendes Rennen zwischen Obama und McCain, welches noch bis November 2008 andauern wird. Zudem gibt es eine leichte Übereinstimmung zwischen den Suchmaschinenanfragen bezüglich der Keyords “Obama” und “McCain” und einzelnen Newsmeldungen aus den USA. (Ja auch Newsmeldungen werden bei Google-Trends, korrespondierend zur grafischen Auswertung mit angezeigt.)
Das wirklich geniale an Google-Trends jedoch ist, dass man sich das Suchbegriffsvolumen für jeden einzelnen Staat der USA, getrennt von einander anzeigen lassen und analysieren kann. Man erhält also eine staatenabhängige Suchanfragenanalyse, die das momentane Interesse der einzelnen Bürger korrespondierend zu den US-News auswertet. Dass Google-Trend und somit das reproduzierte Suchverhalten der US-Bürger tatsächlich ein gewisses Maß an Prognostizität beinhalten zeigt der amerikansiche Student Michael Giuffrida auf seiner Webseite.

Als Beispiel dieser Prognosemöglichkeit von Google-Trends habe ich euch einmal zwei Grafiken in den Artikel eingefügt, welche die Vorwahl der Präsidentschaftskandidaten “Obama” und “Clinton” in den Staaten Missouri und Nevada analysiert. Neben den Suchanfragen zu den beiden Begriffen sind auch die tatsächlichen Wahlergebnisse darin abgebildet. Erstaunlich, wie Google das Wahlergebnis vorausahnen konnte. In Missouri gewann Barack Obama und in Nevade konnte Hillary Clinton die meisten Stimmen für sich beanspruchen. Es scheint fast so, als würden die Suchanfragen in gewisser Weise auch die “Wahlstimmung” der US-Bürger repräsentieren und je mehr Suchanfragen für einen Kandidaten verzeichnet werden, umso wahrscheinlicher wird dessen Wahlsieg.

Obama vs Hillary - Google Trends

obama vs hilary - Nevada

09.06.2008 | Autor: admin
Kategorien: Google | 5 Kommentare

Kommentare (5)

  1. Also ich muss schon sagen, solch einen gut formulierten Google Trends Analyse Artikel hab ich schon lange nicht mehr gelesen. Ich glaube ich weiss was ich gleich machen werde^^. Doch meiner wird bestimmt nicht so gut^^.

  2. Hi paul,

    danke für die Blumen. Aber da muss ich dir wiedersprechen. Die Artikel bei dir auf Blogtopf sind mindestens genauso gut, wenn nicht besser. Vor allem hast du immer geniale Ideen für SEO und Co.
    Aber trotzdem vielen Danl für die Komplimente

  3. Pingback: Kann Google Trends die US-Wahl voraussagen? | meetinx-Blog

  4. hmm, obama hat starken support von jungen menschen, der google generation, mccain viele aus dem bible belt, die wohl nicht so internet affin sind. die suchen vllt nach “is barack obama a muslim” ;-)

    außerdem, wenn auch alle wähler gleiche google-benutzgewohnheiten hätten, glaub ich unter keinen umständen, das google trends eine verlässliche aussage treffen könnte. sind doch nur suchtrends.

    wenn mccain nen sex-skandal haben würde (vllt. mit nem mann auf ner toilette in nem flughafen in iowa) dann würden a.) millionen leute versuchen über google infos (und fotos) von dem event zu finden aber b.) mccain würde nicht der nächste präsident werden

  5. Hi Max,
    danke für dein Feedback. Diese Trendanalyse ist mehr eine interessante Spielerei gewesen, die natürlich keinen wirklichen Anspruch auf eine wissenschaftlich fundierte Prognosemethode hegt.

    Ich fande es nur verblüffend, dass es zu derartigen Übereinstimmungen innerhalb der Vorwahlen kam.
    Natürlich hast du recht, dass sich die Suchanfragen bezüglich McCain aufgrund eines Skandals erhöhen würden und Google keinen wirklich repräsentativen Querschnitt der US-Wähler liefert. Aber interessant fand ich es dennoch.

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