03.07.2008 | Autor: Andreas

Welcher Plan bzw. Strategie steckt wohl dahinter, wenn der Redmonder Softwaregigant Microsoft solch eine “heiße” Startupfirma wie Powerset aufkauft?
Das vor 3 Jahren von Dr. Barney Pell gegründete Unternehmen startete vor kurzem eine semantische Suchmaschine, die bis dato nur die Artikel der freien Enzyklopädie “Wikipedia” durchforsten kann.
Es ist äußerst zweifelhaft, dass Microsoft diese Suchmaschine nur deswegen aufkaufte, damit sie ihre hauseigene “Livesearchengine” verbessern können. Vielleicht steckt da noch mehr dahinter und Microsoft möchte viel lieber die jetzige “Wikipediasuche” nachahmen und diese dann samt Powerset in den Internetexplorer integrieren. In diesem Artikel befasse ich mich einmal damit, was Microsoft mit der Aquisition von Powerset beabsichtigen könnte und lasse einmal mehr meinen Gedanken freien Lauf.
Berichte über Powerset
Die anfänglichen Berichte über die wohl “rovlutionäre Suchmaschine”, die als Google-Killer erwartet wurde, waren eher enttäuschend. Kritiker schätzten zwar das innovative Benutzerinterface der neuartigen Suchmaschine und erkannten dessen Potential, aber für wirkliche Verbesserungen der Wikipediasuche konnte man Powerset bis dato noch nicht zuschreiben. Angesichts dieser “lauwarmen” Reviews über Powerset und deren Qualitäten kam für viele die Microsoft Übernahme unerwartet. Da der Preis von ca. 100Mio US$ auch für Microsoft wohl überlegt sein sollte, haben die exekutiven Manager und CEOs mit Sicherheit eine mögliche Startegie die Technologie von Powerset effektiv zu nutzen. Wird es gar eine neue Waffe gegen Google geben?
Was Powerset bis dato ist
Powerset vermag es momentan aus einem unstrukturierten Informationskonvoluts die wichtigsten und relevanten Informationen herauszufiltern und dies unter Verwendung der natürlichen Sprache. Man gibt also keine Akronyme oder “Querries” in die Suchmaske ein, sondern bekommt auf ausformulierte Fragen im Idealfall die passende Antwort samt Quellenangabe. Powerset wendet innerhlab dieser Suchtechnologien demnach Verfahren an, die zum einen die natürliche, menschliche Sprache verwerten und zum anderen semantische Informationen aus Texten gewinnen kann. Die Suchmaschine erstellt dann zusätzlich eine Art semantischen Index (ähnlich wie der Google Index), in welchem die verwandten Texte und Informationen miteinander in verbindung stehen. Dies geschieht bis dato vorweigend in Form von RDF-Strukturen.
Eine der wirklich innovativen Neuerungen dieser semantischen Suchmaschine ist das bereitgestellte Benutzerinterface (UI). Dieses kontextuelle Gadget wid als Overlay sämtlichen Suchergebnissen beigefügt und soll somit die Navigation durch die miteinander in Relation stehenden Informationen vereinfachen.
Viele dachten, dass Powerset eine allgemeine für das gesamte Internet konzipierte Suchmaschine darstellt, aber in Wirklichkeit ist deren Nutzung auf Wikipedia-Artikel limitiert. Es ist keineswegs trivial und zudem mit sehr hohen Kosten verbunden diese Technologie auf das gesamte Web zu übertragen.
Warum ist Powerset aber so mächtig?
Als vor einigen Jahren das Thema einer semantischen Suchtechnologie das Licht der wissenschaftlichen Welt erblickte, so dachte man, dass man an der Erfindung des künftigen “Google-Killers” arbeite. Dieser Gedanke beruhte auf der Logik, dass eine semantische Suche einfach bessere und vor allem relevantere Suchergebnisse liefern müsse, als der Suchmaschinengigant, da ja diese revolutionären Suchtechniken die Texte “verstünden”.
Die Industrie hat jedoch erkannt, dass dem nicht so ist. Die semantische Suche berherbergt nicht wirklich viele Vorteile gegenüber einer statistischen Suchtechnologie, wie sie von Google und Co. prakatiziert wird. Diesem Trugschluss widmete ich bereits einen etwas längeren Artikel.
Was macht also Powerset wirklich so mächtig? Genaugenommen eigetnlich die Tatsache, dass diese Searchengine nicht das Netz als Ganzes durchforstet. Klingt komisch, ist aber so. Momentan durchsucht Powerset, wie bereits erwähnt ausschließlich die Wikipedaiartikel, aber die Infrarstruktur dieser Suche und auch die Technik ist generisch, sodass man durchaus die Suchtechnologie auf andere Seiten im Netz ausweiten könnte. Die kontextumreißende Entwicklung könnte daher zur Navigation durch sämtliche Inhalte benutzt werden.
Anstatt das ganze Netz zu durchforsten könnte eine erste Idee sein, diese Suchtechnologie nur auf spezielle Seiten zu implementieren.
Kopf an Kopf mit Google?
Powerset, so wie es heute existiert, ist in keinster Weise ein Google-Killer. Im Suchmaschinensegment hat Google einen sehr starken Einfluss – dieser wird vermutlich durch das Yahoo-Abkommen noch weiter zunehmen. Die Leute sind einfach mit Google vertraut und wissen den Service dieser Suchmaschine zu schätzen: Sie ist einfach, zwar nicht ganz perfekt, aber sie ist eben gut genug und liefert vor allem bessere Ergebnisse als die Live Suche von Microsoft.
Falls Microsoft die Suchmaschine Powerset also nur aufgekauft hat um die hauseigene Live Suche zu verbessern so wird dies erneut eine Aquise werden, die letzendlich keine wirklichen Innvoationen und Verbesserungen hervorbringt. Nunja, aber leider hegt der auf dem LiveSearch-Blog veröffentlichte Artikel genau diese Befürchtungen.
Heutzutage liefer Powerset lediglich eine interessante Technologie und keine wirkliche “Zugkraft”. Nun welchen Plan hat also Microsoft wirklich mit Powerset?
Vielleicht plant Microsoft die semantische Suche von Powerset innerhalb der eigenen Seiten einzusetzten und dann diese letzendlich in den Internet Explorer zu integrieren. Stellt euch doch mal vor, ihr durchstöber die Wikipedia und bei jedem Artikel wird euch ein kleines semantisches Overlay eingeblendet, dass weitere Informationen für euch bereithält. Und nun übertragt dieses Gedankenspiel auf andere informationsträchtige Webseiten. WIe wäre dass denn für euch? Genial, oder?
Mit solchen zur Verfügung gestellten semantischen Informationen könnte Microsoft die Verweildauer auf einzelnen Webseiten drastisch erhöhen und die Leute somit geschickt davon abhalten, in dieser Zeit die Google-Suche zu bemühen. Dies ist ein entscheidender Punkt, denn Google verdient nicht an der Internetsuche, sondern anhand der Platzierung von Werbeanzeigen.
Kann Microsoft jemals Google schlagen?
Das wirkliche Problem, welches Microsoft nicht nur mit diesem Kauf von Powerset lösen möchte ist die Werbeschaltung. Bis jetzt gibt es genau zwei “fundamentale” Möglichkeiten Werbung im Netz zu platzieren und zwar während der Suche und innerhalb von Portalen.
Portale zeigen die Webreinblendungen auf jeder einzelnen Seite an. Je mehr Leute ein solches Portal besuchen, um so häufiger wird die Werbung angezeigt und um so mehr Geld wird verdient. Simpel, oder?
Das Modell der Werbeplatzierung in Suchmaschinen tauchte hierbei lediglich als Alternative auf, die sich bis heute zur besten Art der Werbepositionierung etabliert hat.
Mit Powerset ist nun eine neue Möglichkeit geschaffen worden sich dem Werbesektor im Internet zu offenbaren. Kontextuelle Informationsdurchforstung mit einem Overlay an vorhandenen und relevanten Inhalten.
Wenn Microsoft es schafft die Nutzer davon abzuhalten, ständig die Augen auf Googles Startseite zu werfen, wird sich das Spiel der beiden Giganten wenden. Und dies dramatisch. Der Browser ist hierbei Microsofts mächtigstes Werkzeug und die voreingestellte Suchmaschine innerhlab des IE ist nun einmal die LiveSearch.
Falls Microsoft die Aufmerksamkeit und die Gelder der Werbetreibenden gewinnen möchte muss der Konzern einfach den IE besser nutzen. Die Implentierung einer semantischen Suchmaschine wie Powerset als zusätzliche Webseitennavigation wäre hierbei mit sicherheit ein Schritt in die richtige Richtung und evtl. auch eine “Spielentscheidende” Maßnahme. Dies geht jedoch nicht von heute auf morgen und eine riesige Firma wie Microsoft brauch bei solch einer tiefgreifenden Implementierung vermutlich viel Zeit, bis diese Technologie marktreife erfährt. Aber ein Ansatz im Kampf mit Google wäre dies doch allemal.
Fazit
Die Powerset-Aquisition ist ein interessanter Zug von Microsoft. Dieses “heiße” semantische Startup-Unternehmen war auf jedermans Radar.
Was könnte Microsofts Plan sein? ES ist äußerst zweifelhaft, dass Microsoft diese Suchmaschine lediglich für einzelne Verbesserungsmaßnahmen an der Livesearch aufkaufte. Evtl. möchten die Redmonder vielmehr die Wikipediasuche reproduzieren um diese dann letzendlich in den Internet Explorer einzufügen.
Dies wäre ein, meiner Ansicht nach, genialer Schachzug von Microsoft, der jedoch eine exakte und technisch aufwendige Durchführung erdordert. Viel Disziplin und eine marktreife Entwicklungsstrategie; keine Charakteristiken die der Konzern in der letzten zeit an den Tag legte.
Was denkt ihr, wird MS mit der semantischen Suche von Powerset machen? Welche anderen Anwendungen könntet ihr euch mit solch einer Suchtechnolgie vorstellen?
Quellen:
LiveSearch-Blog
Wikipedia.org
Powerset.com
Powerset-Blog
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